Die Bezeichnung "Kontratanz" kommt vom französischen "contredanse", von wo sich wohl auch englisch "country dance" herleitet. Aus dieser englischen Bezeichnung meinte man früher, dass es sich um "bäuerliche" Tänze handelt. Die Country Dances entwickelten sich jedoch eher in einer städtischen Umgebung, nämlich im 16. Jahrhundert vermutlich an den Inns of Court in London. Die Inns of Court (heute würde man sagen: die juristische Fakultät der Universität) waren auch eine Art bürgerliche Gegenveranstaltung zum königlichen Hof. Hier trafen und und feierten sich die Leute, die zwar nicht adelig waren, aber eine prominente Stellung in der Gesellschaft hatten, darunter eben jene, die mit der Jurisprudenz zu tun hatten. Die Tänze wurden von den damals bekannten und beliebten Tanzmeistern choreografiert, die oft Melodien aus zeitgenössischen Singspielen (Masques: z.B. "The Indian Queen", "The Old Bachelor") verwendeten und dazu ihre Choreografien erfanden.
Ein berühmtes Beispiel einer Sammlung von Kontratänzen ist The English Dancing Master (siehe auch: Bibliographie), der 1651 erstmals von John Playford herausgegeben wurde. Die Country Dances blieben bis ins 19. Jahrhundert äußerst beliebt. Wenn die Heldinnen in Jane Austens Romanen zu einem Ball gehen, dann werden dort hauptsächlich Country Dances getanzt.
Eine charakteristische Aufstellung zu einem Kontratanz ist zum Beispiel der "Longway". Dabei stellen sich die Paare hintereinander in einer Reihe auf. So genannte "Einser"-Paare wechseln sich mit "Zweier"-Paaren ab. Die Musik spielt die Tanzmelodie immer wieder, wobei typischerweise ein Durchspiel der Musik auch einer Strophe des Tanzes entspricht und das "Einser"-Paar einen Fortschritt nach unten macht, während das "Zweier"-Paar einen Platz nach oben rückt. Auf diese Weise begegnet jeder jedem einmal.
Aufstellung zu einem "country dance" (London, 1651)
Kontratänze sind wegen ihrer bunten Raumwege und wegen der Einfachheit des üblicherweise verwendeten Schrittmaterials die Tänze, die sich am besten für den Anfängerunterricht eignen. Nicht vergessen sollte man auch den Spaß, den es macht, in netter Gesellschaft einen Longway nach unten und nach oben zu tanzen und dabei allen Anwesenden zu begegnen.
Eine Gelegenheit zur anspruchsvollen Pflege von Country Dances ist jedes Jahr das Wochenendseminar in Benediktbeuern, das inzwischen regelmäßig am letzten Wochenende vor dem 1. Advent stattfindet (siehe hierzu Termine). Während des Seminars beschäftigen wir uns unter der Leitung u.a. von Markus Lehner und Beate Knobloch mit einem bestimmten Aspekt zum Thema Country Dances. Vor allem tanzen wir natürlich so viel wie möglich. Am Samstag Abend findet ein Fest in historischen Kostümen und mit Live-Musik statt.
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aktualisiert am: 11.11.2008
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